Archive for Oktober, 2007

My lazy weekend

Sonntag, Oktober 28th, 2007

Ich habe euch noch gar nicht an meinen Wochenenden teilhaben lassen, aber dass will ich schnell nachholen. Ich könnte sie auch mit einem Wort beschreiben: „lazy“, aber ich will euch ja auch ein bisschen unterhalten.

Heute ist Sonntag, es ist ein schöner sonniger Tag. Ich bin um 5:45 Uhr aufgestanden, habe ein bisschen Zeit im Badezimmer verbracht und bin dann mit Kaffee und einer lecker südafrikanischen Zigarette der Marke Princeton eine Runde durch den Garten gegangen. Mein erster Blick gilt natürlich wie jeden Morgen dem Pool. Welchen Zustand, welche Farbe und welchen Geruch hat er. Der weniger eifrige Leser wird nun denken, wieso denn dass?

Also gut, nach den letzten starken Regenfällen in der letzten Woche ist der Pool zu einem „frog pond“ mutiert. Das Wasser veränderte von Tag zu Tag seine Farbe – von blau zu türkis zu grün zu dunkelgrün über braun-grün zu schwarz. Klar änderte sich nicht wirklich die Farbe des Wassers, aber es wirkte so. Es bildeten sich glitschige schleimige Algen und weißer Schaum, der Stark nach altem Fisch roh, auf der Wasseroberfläche. Ein „stinky frog pond“ eben. Da will man halt als Ausgleich zum harten Arbeitstag mal die Füße ins Wasser halten oder ein paar Bahnen schwimmen, aber Pustekuchen, denn der Pool gleicht einem Abwassergraben. Dieser Zustand ist nun schon seit 9 Tagen so. Also was tun? Man kann ja nicht mal eben das Wasser ablassen, ihn säubern und dann wieder auffüllen. Denn der Pool ist etwa 15 Meter lang und 5 Meter breit. Die Wassertiefe an der niedrigen Seite beträgt etwa 1 Meter und er schrägt sich dann nach unten bis auf ca. 2, 5 Meter oder so ab. So nun sind alle Mathematiker gefragt: „Wie viel Wasser fasst der Pool?“

Aber auch die, die dass nicht errechnen wollen, können sich denken, dass es eine Menge Wasser ist. Also musste ein Poolguide kommen. Tja, der sah natürlich nicht so lecker aus, wie die Poolguides im TV, aber er war nun 2-mal da, hat insgesamt 12 Liter von ‚was auch immer’ in den Pool gekippt und es wirkt. An der flacheren Seite kann man schon den Grund sehen und es befindet sich kein Krokodil im Pool, denn das könnte ich nun schon sehen. Aber man weiß ja nie…

Nu aber zurück zum Wochenende. Der Rundgang war gemacht, der Kaffee getrunken und die Zigarette geraucht, was nun. Einmal flott ins Büro, den PC anwerfen und Emails checken. Denn dass klappt morgens und am Wochenende am besten. Super ist die Kombination morgens am Wochenende, denn da ist in Südafrika wohl niemand im Netz. Nachdem das erledigt ist, kann man ja mal Frühstück machen, also ab ins Haupthaus und in einen der unzähligen Kühlschränke (es sind zwei große Kühlschränke und zwei große Eisschränke) geschaut. Hmm, Eier, Speck, Würstchen, Wassermelone, Papaya und Toast, klingt doch super. Schnell gemacht und ab damit vor eine südafrikanische Seifenoper.
Hach das Leben kann schon schön sein…
Jetzt noch schnell gespült, die Küche wieder aufräumen und säubern und dann?Also noch eine Runde durch den Garten, neue Blumen und Blüten bewundern und mal den Pool bei Sonne ansehen. Ja, er wird wirklich von Tag zu Tag besser.
Hmm, wie spät es wohl in Deutschland ist? In Südafrika war es 8:30 Uhr also 7:30 in Deutschland. Es ist bestimmt noch Dunkel, schweinekalt und ich laufe in ‚Tank-Top’, Rock und barfuss durch die Sonne im Garten, nee klar.
Noch ein bisschen auf dem Bett gammeln und ein bisschen TV sehen. Nun ist es hier ‚half past ten’ und ich sitze auf der Terrasse im Garten und unterhalte euch ein bisschen. Klingt alles ganz schön ‚lazy’ aber was soll ich auch schon groß machen. Klar könnte ich mich in meinem schicken Polo setzen und raus fahren, aber alleine…

Leute ihr fehlt mir! Wenn ich in Deutschland wäre, würde ich jetzt Jonny anrufen, in voll aus dem Bett holen und ihn mit der Frage nerven: „Frühstücken?“. Er würde etwas Undeutliches murmeln und ich würde ihn in einer halben Stunde noch mal anrufen. Aber hier… Jan hat schon gefragt, ob ich ihm beim Autowaschen helfen möchte. Nee klar, so langweilig ist mir auch nicht. Ich sitze lieber im Garten, schaue den Vögeln, genauer gesagt Schwalben zu, wie sie im Sturzflug auf den Pool zu fliegen und im Fliegen ein Schlückchen Wasser trinken. Ich weiß, ist nicht wirklich großes Tennis, aber besser als Autowaschen.

Gestern, am Samstag, hab ich mir einige Gedanken zu den herrschenden Problemen im Centre gemacht, habe dies auch schon alles am PC ausgearbeitet und werde dies Morgen der Center-Managerin präsentieren. So war der Tag recht schnell rum.
Die Nacht war wieder etwas schwierig, denn es war/ ist Vollmond, da schlaf ich eh schlecht. Und scheinbar nicht nur ich, denn meine Freunde die Fledermäuse scheinen eine Party gemacht zu haben. Ok, ich hab jetzt keine laute Musik gehört, aber sie scheinen Squaredance getanzt zuhaben. Das war vielleicht ein Getrappel und Geflatter über meiner Zimmerdecke. Ich scheine noch mehr Untermieter zu haben, als nur Fledermäuse. Nein nein, ihr braucht mir nicht mit Vampiren oder so zu kommen. Es sind echt Fledermäuse und ich glaub nicht an Vampire, basta!
Meine anderen Mitbewohner, die Mücken und Moskitos, lassen mich nun doch in Ruhe, nachdem ich ein Anti-Mücken-Spray gekauft habe. Ok, ich besprühe mich damit jeden Abend, allerdings im Badezimmer und geh zwischen jedem Sprüher mal wieder zum Atmen ins andere Zimmer, aber es scheint zu helfen. Keine neuen Stiche. Zugegeben, gestern habe ich vergessen beim sprühen meine Uhr abzunehmen und nun ist das Plastik über dem Zifferblatt ganz trüb… Aber es hilft.

Es ist nun ‚quarter past three’ und ich werde mal ins Büro gehen und den Bericht online setzen. Vielleicht fahre ich dann doch noch ein bisschen raus an den Vaal oder so, mal sehen.
Melde mich bald wieder,
Steffi

everything is slow und die wilden Tiere

Samstag, Oktober 27th, 2007

Meinen heutigen Bericht möchte ich zwei Themen widmen:

  1. dem Ausspruch „everything in South Africa is always slow“ und
  2. den “wilden” Tieren – hat ein bisschen was mit Statistik zutun, aber wartete es einfach ab.

Immer wieder höre ich, dass alles in Südafrika langsam ist und es wird sich immer wieder darüber beklagt. Meine Erfahrungen können dass nur bestätigen. Ja, alles ist langsam. Nehmen wir mal das Beispiel Internet. Ich brauche doch tatsächlich mindestens 10 Minuten um mich bei meinem Provider in meinem Webmail-Account anzumelden. Hm, in Deutschland brauche ich dafür höchstens eine. Dann ist der Computer und /oder das Internet so langsam, dass ich noch nicht einmal Fotos in mein Internettagebuch einstellen kann (Aber dafür gibt es ja zum Glück Jonny). Allerdings benötige ich noch mal rund eine Stunde, nachdem ich mein Account geöffnet habe um eine Email zu schreiben und evtl. auch noch Fotos als Anlage, einzufügen. Ich scheine einfach zu viel zu erwarten.

Und wehe, die Email ist mit der Anlage größer als ein MB. Vergiss es, dann wird sie halt nicht gesendet.

Hier schein aber auch die Uhr anders zu ticken. Ich meine nicht, dass die Stunde mehr als 60 Minuten hat und die Minuten sind auch hier 60 Sekunden lang und so weiter. Ich meine, dass wenn man 9 Uhr sagt, es auch mal 10 Uhr oder halb Elf werden kann. Kein Problem, man übt sich in Geduld und wartet entweder oder man läst es. Aus Heute kann auch mal schnell morgen oder sogar nächste Woche werden. Alles eine Frage der Geduld und der südafrikanischen Gelassenheit, die man hier nötig braucht.

Es herrscht hier so ein bisschen eine „Ja-Ja-Mentalität“ ganz nach dem Motto „komm ich heut nicht, komm ich vielleicht morgen“.

Die Menschen hier scheinen nicht wirklich in Eile zu sein, auch nicht im Supermarkt. Es wird gebummelt, im Weg gequatscht, die Leute sehen sich das Brot auch erst viermal an, bevor sie es in den Wagen legen, gehen dann einen Meter, kommen noch mal zurück, schauen noch mal, nehmen doch ein anderes, Fragen noch mal nach, und dies alles in einer Gelassenheit, ob sie nichts anderes zutun hätten. Auch die gleiche Art und Weise wird auch die Straße überquert. Ich sagte ja bereits, die ganze Stadt ist ein einziger Zebrastreifen.

Es gibt allerdings auch eine Ausnahme. Der Straßenverkehr. Laut Gesetz sind innerhalb der Stadt 60 km/h erlaubt, diese werden auch komplett ausgereizt. Es wird durch kleine Straßen genauso gebrettert wie durch große Hauptverkehrsstrasse. Und eigentlich fährt man in der Stadt mind. 80 km/h. Man muss sich hier anpassen oder man hat verloren. Ok, ich fahre nur 60 max. 70 km/h, aber halte mittlerweile auch nicht wirklich an Stoppschildern. Nur so antäuschen, dann weiterfahren und alles im 2. Gang.

Die wilden Tiere….

Hab ich schon erwähnt, dass ich einen Baboon (Affen) gesehen habe? Ok, ich saß im Auto und er am Straßenrand, aber „mitten“ in der Stadt auf dem Weg zu meiner Arbeitsstelle. Ich hab gedacht mich laust der selbige, aber es ist wahr. Ich habe einen Affen in der freien Natur gesehen. Die anderen wilden Tiere, die immer wieder plötzlich und unerwartete die Straße überqueren sind Kühe. Hier gibt es scheinbar keine umzäunten Weiden oder Kuhhirten oder so, denn die Kühe laufen hier einfach frei herum, grasen mal auf der einen Seite der Straße, mal auf der anderen. Ob sie und wie sie abends nach Hause finden, ist mir ein Rätsel, aber irgendwie scheint es zu funktionieren.
Hmm, ihr fragt euch bestimmt, wo ist die Statistik? Kommt jetzt! Der nächste Absatz ist allen Päda-Statistikern gewidmet, die in den Genuss gekommen sind, eine Vorlesung bei Frau Rahn erlebt zu haben.

Frau Rahn hatte doch immer die besten Beispiele: Rauchen und Fitness, der Blinde und der Einäugige unter den Sehenden und die Kausalität von Kindergeburten und Störchen. Die Statistik besagt doch, dass es in den Regionen, in denn es viele Störche gibt auch viele Kinder geboren werden. Dies ist bewiesen, allerdings besteht doch nur eine „einseitige Kausalität“, denn nicht überall wo Störche sind werden Kinder geboren und auch nicht überall wo Kinder sind, sind auch Störche. Oder wie war dass? Ist auch nicht ganz so wichtig, denn hier gibt es viele Störche (sehe jeden morgen einen im Garten) und viele Kinder (habe zwischen 140 und 200 Kinder täglich im Centre)……

Die wildesten Tiere, die ich bisher gesehen habe, sind nach wie vor die unzähligen Insektenarten. Mücken, Moskitos, Spinnen, kleine Ameisen, mittlere Ameisen, große Ameisen, Libellen, Käfer und natürlich meine besten Freunde und Mitbewohner, die Fledermäuse. Hey, nennt mich einfach Batgirl….

In diesem Sinne
sala hantle (bye-bye [oder für Tim und Verena „bucht-bucht“] auf Sesotho)

Steffi

Die Lewe in Parys

Montag, Oktober 22nd, 2007

Den heutigen Bericht möchte ich mal dem südafrikanischen Essen widmen. Diejenigen, die mich kennen, wissen ja, dass ich gerne südafrikanischen Wein trinke und dass es kaum etwas gibt, was ich nicht esse. Ausnahmen sind Lachs, Muscheln, Rosenkohl, Innereinen und dies war es eigentlich auch schon. Kaum war ich angekommen, fragte Kokkie mich auch schon, ob ich spezielle Wünsche bezüglich des Essens habe, ob ich auf irgendetwas allergisch bin oder ob ich wohlmöglich Vegetarierin bin. Ich überlegte kurz, ob ich sagen sollte: „Nee, aber Veganer Stufe 5, ich esse nichts was einen Schatten wirft“. Entschied mich aber dagegen und antworte, dass ich lediglich auf Lachs allergisch sei. Das englische Wort für Rosenkohl viel mir nicht ein (sprouts) und ich dachte, naja, dann isst’e den halt. Im Laufe der einstündigen Autofahrt fiel mir dann die Sachen mit den Innereien ein. Shit, was heißt zum Teufel Innereien auf Englisch. Ok, dann zählst’e halt alles auf, was du nicht magst. Also: tongue, brains, lung, heart, liver, stomach … Bis hierher pflichte mir Kokkie bei und nickte fleißig, als ich aber kidney sagte war sie echt enttäuscht. Denn es gibt doch nichts Leckeres als gebratene Nieren mit Pilzen zum Frühstück, meint sie. Ich sag euch, ich bin so froh, dass mir diese Innerei-Geschichte noch eingefallen ist. Die Vorstellung morgens gebratene Nieren auf dem Teller zu haben erschaudert sich schon sehr! Zum Glück hatten wir dies geklärt, aber es ist schon interessant was man hier so isst. Zum Frühstück gibt es hier immer was Gebratenes. Eier – sunny side up- , Würstchen, Speck, Hamburger, Omelett, Fischstäbchen, oder Tomaten. Dazu gibt es immer Toast, Butter, Marmelade und Instantkaffee. Zum Lunch gibt es Muffins oder kleine Käse-Brötchen mit Butter und Marmelade, dazu trink man Tee, eigentlich pappsüß mit Milch. Als Supper gibt es tolle Kombinationen. Heute zum Beispiel gab es Hühnchen mit Reis, brauner Sauce, gebackenes Gemüse (Zwiebeln, Kürbis, Paprika, Süßkartoffeln, etc) und Kartoffeln. Alles Lecker, aber die Kombi Reis und Kartoffeln ist schon komisch…Interessant finde ich auch, dass man in jedem Supermarkt eine Theke findet, die einer Pommesbude gleicht. Dort werden warme Speisen, Pommes, gebratene Hähnchen und ähnliches angeboten. Selbst das „Nationalgericht“ pap wird dort angeboten. Pap ist ein pappiger Maisbrei, der kaum Eigengeschmack besitzt und mit dem man auch gut Löcher in der Wand verschließen könnte. Der Knaller ist, dass es sogar Maggi-fix für pap zu kaufen bekommt. Ok, nicht von Maggi aber von Knorr…Hier gibt es überhaupt viel Instant, Fertigprodukte, Würz- und Backmischungen zu kaufen. Ich habe heute mit Kokkie gebacken. Ok, wir haben eine Backmischung für Muffins mit der Geschmacksrichtung Banane-Walnuss mit Eiern und Öl vermischt, in eine Form gefüllt und in den Ofen geschoben. Aber genau das ist hier backen!
Das Gemüse, das es zum Abendessen gab, ist auch schon fertig im Folienpack im Kühlregal des Supermarkts zu finden. Das Hähnchen kam aus dem Eisschrank, der Reis aus der Tüte, die Sauce für den Reis und die Marinade für Huhn ebenfalls, lediglich die Kartoffeln waren frisch.Verrückte Welt. Es wird eine Menge Müll durch diese Fertigprodukte produziert, alles ist in Einwegverpackungen, sei es Milch, Saft oder Wein. Denn auch Glas kommt in den normalen Müll, neben Papier, Pappe und beispielsweise Batterien. Und dann regt man sich über den Klimawandel auf und das niemand etwas dagegen unternimmt. Huch, jetzt bin ich aber ganz vom Thema Essen abgekommen. War aber auch so weit fertig damit. dirty-pool.JPG
Vielleicht zum Abschluss noch ein paar Worte zum Pool. Ich hab mich ja ein bisschen darüber ausgelassen, dass Kokkie mir ihre Probleme zum Thema: „Der Pool ist nicht ganz blau“ erzählte. Ich muss nun zugeben, dass sie Recht hat. Der Pool ist nicht ganz blau und dies ist noch geschönt!!! Seit den Gewitterstürmen Ende der letzten Woche ist der Pool grün, braun und total ekelig.
Ich mag nicht mehr darin schwimmen und begründete dies Kokkie gegenüber damit, dass ich Angst hätte, dass sich ein Krokodil darin befindet, da man ja nichts sehen könnte, nicht mal den Grund. Ich meinte das mit dem Krokodil natürlich als Scherz, aber sie sagte, ja schwimm mal besser nicht, denn es könnten Krokodile drin sein. Schluck! Ich hoffe, sie wollte mich auf den Arm nehmen. Aber macht euch doch selber ein Bild vom Zustand des Pools.

Die erste Woche ist nun rum…

Freitag, Oktober 19th, 2007

Meine erste Woche ist nun um, es ist Freitagabend und ich bin total geschafft. Ich habe so viele Kinder kennen gelernt, so viele schreckliche Geschichten gehört, so viele Eindrücke erhalten, dass mein Kopf voll davon ist. Ich denke, ich werde dieses Wochenende nur faulenzen um den Kopf wieder frei zu bekommen.

Warum kann dieses Land nicht einfach einen „break“ machen und neu starten? Es gibt so viele Dinge, die hier so absurd sind. Heute war ich zum Beispiel mit einem 17 Jahre alten Jungen (Johannes) bei Home Affair, dies ist so was wie das Einwohnermeldeamt. Er hat bisher keine ID-Number, was so was wie eine Personalausweisnummer ist. Allerdings ist es eigentlich unmöglich für ihn eine ID zubekommen, da er lediglich die ID seines verstorbenen Vater und seiner Granny hat. Ihm fehlt die der Mutter, aber er kennt seine Mutter nicht, sie hat ihn zurück gelassen, als er ein Baby war. Manchmal ist es aber von Vorteil, wenn man weiß ist, aus Deutschland ist und behauptet man sein Socialworker. Ok, ich kann nicht zaubern, aber der Junge muss nun lediglich den Vor- und Nachnamen der Mutter raus kriegen, dann bekommt er die ID. Und dies scheint mir nicht so unmöglich zu sein, wie die ID. Am Montag, wird diese Geschichte in die zweite Runde gehen. Mal sehen, ob wir dann die ID bekommen.

Mittlerweile kennt man mich im Township, die Menschen grüßen und sprechen mich an. Ich werde jeden Morgen sehnsüchtig am Zaun erwartete um mir den neusten Klatsch und Tratsch anzuhören, Teenie-Magazine anzusehen, oder gute Schularbeiten zu bewundern. Ich sage nur Chap, chap (keine Ahnung wie es geschrieben wird, aber es bedeutet, fine, fine).

Ich kann schon auf Sesotho grüßen, fragen wie es einem geht, mich oder andere verabschieden, danke sagen und halt loben. Auto, Gewehr und Eisenbahn ist auch in meinem Repertroit.

 Heute waren wir mit drei schwierigen Geschichten beschäftigt. Die Sache mit der ID, dann hatten wir ein Gespräch mit einem 16-jährigen der schwul ist. Er und auch sein Umfeld hat damit ein Problem, so dass er sich in Alkohol und Drogen flüchtet, seine Mutter beklaut und die Schule schwänzt. Der andere Fall, ist ein „Sorgerechtsstreit“ zwischen der Tante und der Cousine eines Waisenmädchens. Beide wollen dieses Kind versorgen und behaupten von der anderen, dass sie dazu nicht in der Lage wäre. Nächste Woche schaue ich mir die Wohn- und Lebensumstände an, dann werden wir entscheiden. Zum Glück scheinen die Menschen auf das, was das Centre sagt, zu hören. Es ist also wirklich nötig, dass ich Sesotho lerne, denn viele sprechen kein oder nur schlechtes Englisch und sie wollen auch meine („weise-deutsche“) Meinung hören. So, nun kennt ihr auch die „Schattenseite“ dieses Landes. Es ist nicht nur Pool, Sonne und Urlaub. Im Gegenteil, es ist ein Knochenjob, wenn ich nach Hause kommt wird es dunkel und der Pool lockt dann auch nicht wirklich und Sonne…. Pah, aber seht selber…. 


Die erste Woche

Montag, Oktober 15th, 2007

Jeder der von sich selber die Eigenart kennt Selbstgespräche zu führen weiß, wie das ist. Man plappert einfach Dinge vor sich hin. Belangloses, Geschimpfe oder einfach nur komische Gedanken, die man in diesem Moment hat. Ich bin auch so ein Mensch. Und manchmal spreche ich schneller ails ich denken kann und – schwupps – schon ist es raus. Aber dies will ich ja gar nicht vertiefen. Ich wollte eigentlich darauf hinaus, dass ich mich immer mehr erwische wie ich meine geliebten Selbstgespräche in Englisch führe. Angefangen hat alles mit „left“ „left“ „left“. Dies ist jetzt fast verschwunden, denn links fahren scheint mir im Blut zu liegen. Man glaubt es kaum, aber man kann wirklich mit 60 km/h durchs Township brettern. Man passt sich hier ganz schnell an. Kreuzungen werden hier meistens durch Stop-Schilder geregelt. An allen 4 Einmündungen und wer zu erst da war, darf nach dem stoppen auch zuerst fahren. Aber Stop heißt nicht, wie in Deutschland, anhalten, im Geiste bis 3 zählen, Gang rein und dann fahren wenn es frei ist. Nein, hier heißt Stop eher langsam werden, Obacht haben und weiter fahren und dies mindestens im zweiten Gang. Und wenn der, der eigentlich zuerst fahren dürfte nicht fährt, dann Pech gehabt. Klar, man muss hier höllisch aufpassen, denn auch wenn es Zebrastreifen gibt, ist trotzdem die ganze Stadt ein einziger Zebrastreifen. Nicht gucken, nur gehen lautet hier die Devise. Außerdem fahren gerade abends hier die Menschen gerne mal Volltrunken. Was sage ich da, abends? Eigentlich immer. Gerade hatten wir Besuch von einem Policeofficer und der war schon nicht mehr ganz sicher auf den Füßen. Ähm um 5 p.m.! Und er war mit dem Wagen da. Ich sage nur 0,5 ‰……..

Ich war heute zum ersten mal im Relebohile Daycare Centre. It’s a nice place. Die Ladies, die dort arbeiten sind sehr freundlich, der Watchman ist auf eine nette Art sehr schüchtern und der Fahrer von „Milk on the move“ hat mir nach einem 2 Minuten Gespräch direkt einen Heiratsantrag gemacht. Aber ich glaube, das war nicht aus Liebe. Ich denke, der will nur zu so einer „reichen“ Frau nach Deutschland. Oder sollte ich doch auf echte Liebe hoffen? J

Kokkie rief mich irgendwann an um mich zu fragen, wann ich denn endlich nach Hause käme. Sie ist ein sehr herzlicher mütterlicher Typ und sie will keinen Ärger mit meiner Mutter bekommen, deswegen passt wie auf mich auf. Sie fragte mich auch gleich, ob sie mir denn steak, chips & salad zum dinner machen soll und wann. Es ist wie im Himmel, aber wie gesagt 2 Welten.

Habe dann, als das Daycare Centre schloss, Josephine nach Hause gebracht und 2 Ladies mit in die Stadt genommen.

Das schrecklichste des Tages war, dass Mpho bereits seit ein Paar Tagen nicht ins Centre kommt. Ich ging dann zusammen mit Josephine zum mokhukhu des Vaters. Mpho ist keine AIDS-Waise, sondern seine Mutter ist abgehauen und der Vater, der meines Erachtens kaum älter als 18 Jahre ist, ist querschnittsgelähmt auf Grund eines Autounfalls. Vater und Sohn bekommen keinerlei finanzielle Unterstützung, was aber eine andere lange Geschichte ist. Auf jeden Fall ist Mpho letzte Woche zu seiner Granny auf eine Beerdigung gefahren, in eine Stadt, die vielleicht eine halbe Stunde entfernt ist. Und nun hat der Vater kein Geld seinen kleinen Mpho (3 Jahre) wieder zurück zuholen. In solchen Momenten will man am liebsten sein Portmonee öffnen, denn diese Fahrt würde den Vater 8 Rand kosten, was umgerechnet 80 Cent sind. Aber dies würde den Vater auch nicht aus seiner Lethargie herausholen, denn wenn er sich etwas mühen würde bekäme er eine Rente für sich und seinen Sohn. Josephine hat aber Erbarmen mit dem Kleinen und da sie am Wochenende eh in dieser Stadt ist würde sie, Mpho, wenn er noch immer dort ist und auch zum vereinbarten Treffpunkt kommt, mit nach Tumahole zurück nehmen.

Neo, der andere kleine Junge, der den ganzen Tag dort ist, da er noch nicht zur Schule geht,nist auch so ein Fall, bei dem einem Tränen kommen könnte. Neo ist HIV-positive und vielleicht schon an AIDS erkrankt, Er ist sehr zart, schmächtig und kränklich. Neo, der anfangs sehr scheu war, kein Englisch nur Sesotho spricht, habe ich mit Cookies bestochen. Josephine brachte mir some Cookies und ein Glas Saft. Neo brachte sie auch ein bisschen Saft aber nur 2 Cookies, ich hatte mindestens 10 oder so auf dem Teller. Als Neos Cookies leer waren habe ich meine mit ihm brüderlich und heimlich geteilt. Ich habe nun einen Fan!

Es muss schrecklich für die Kids sein mit dem Stigma HIV-positive zu leben, da sie um ihren frühen Tod wissen. Klar können sie nicht wirklich anschätzen, was das heißt, früh zu sterben aber irgendwie schon, denn ihre Eltern sind ja auch schon früh gestorben. Tod gedeutet weg sein.

Auf dem Weg zum Mpohs mokhukhu kamen wir an einem Beerdigungsinstitut vorbei und ich bemerkte, dass es ja schon bezeichnend sei, dass auf einem Schild „24h open“ stand. Prompt schleppte mich Josephine hinein und die Lady dort war so begeistert von mir, dass sie mir alles zeigte, auch den Raum mit dem Schild „authorized person only“. Ich habe noch nie in meinem Leben so viele verschiedene Kindersärge gesehen. In Blau, Rosa, Weiß, Särge aus hellem und dunklem Holz, mit und ohne Beschläge und in verschiedenen Größen. Der Anblick war so erschlagend und machte einen so traurig, dass wir schnell wieder gehen mussten. Um noch einen drauf setzten zu können, zeigte Josephine mir den Friedhof und merkte an, dass er nun geschlossen sei, da er überfüllt ist. Manchmal denke ich, dass es schon „gut“ ist, dass niemand die Bevölkerungsrate in den Townships erfasst….